Eine „echte“ Kommandozeile

Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten, unter Windows eine vernünftige Kommandozeile zu bekommen (Die PowerShell zähle ich jetzt mal nicht dazu). Zusätzlich kann man natürlich über Virtualisierung noch eine Linux- oder BSD-Distribution starten, aber das ist ja nicht wirklich „Unter Windows“.

Git Bash – https://gitforwindows.org/

Die Git Bash ist ein Zwitter, der die Nutzung von Git in der Kommandozeile erleichtern soll, und eine Bash-Emulation bietet, die für die meisten Anwendungen als Entwickler vollkommen ausreicht. Es gibt Startup-Skripte, die Möglichkeit sich mit functions und Aliasen seine Kommandozeile zu konfigurieren, und Vagrant, SSH und Git funktionieren gut. Das genügt für alle, die ein funktionierendes System wollen, ohne tief in die Materie einsteigen zu wollen.

CygWin – https://cygwin.com/

Das Gegenteil davon ist CygWin – eine komplette POSIX-Emulation, die für Tüftler gebaut ist. Im Prinzip ist das das Gegenstück zu Wine, dem Windows-Emulator für Unix. CygWin ist eines dieser typischen „klassischen“ Open-Source-Produkte. Schulhof-Vergleich: CygWin ist das dicke, picklige Nerd-Kind. Ein toller Kerl, man kann herrlich mit ihm spielen, und wenn man den Zugang gefunden hat, dann hat man einen Freund für’s Leben. Aber sexy ist das nicht, und man muss über die verschlissenen Klamotten hinwegsehen können.

Mit Babun gibt es CygWin in einem schicken Anzug und einem strahlenden Grinsen, aber leider ist das Projekt seit 2015 verwaist. Sehr schade, denn eigentlich funktioniert das super.

Der Unterschied zur Git Bash ist eine viel weiter gehende Emulation, es wird auch das Linux-Dateisystem emuliert, man kann Linux-Software über pact installieren, und sogar andere Shells wie etwa fish („Finally, a command line shell for the 90s“) oder zsh (Dazu kommt noch ein Artikel) nutzen.

Windows Subsystem for Linux (WSL) – https://docs.microsoft.com/en-US/windows/wsl/about 

Auch in Redmond hat man bemerkt, dass immer mehr Entwickler auf Linux oder OSX abwandern, und versucht mit WSL diesem Trend entgegen zu wirken. WSL ist eine noch tiefer gehende Emulation von Linux als über CygWin, hier wird das Betriebssystem nicht emuliert, sondern eine adaptierte Variante quasi als virtuelle Maschine integriert.

Zuerst die Einschränkungen: Mit WSL gibt es keine grafische Oberfläche, und sie ist auch nicht als Server nutzbar, da keine eingehenden Verbindungen möglich sind und die Maschine nur läuft solange die Konsole offen ist. Dafür hat man ein echtes Linux – neben Ubuntu (inzwischen auch 18.04) und Debian gibt es auch Distributionen wie SUSE, Kali oder WLinux. 

Die Integration in Windows funktioniert so gut, dass man auf der Kommandozeile auch Windows-Kommandos ausführen kann. Masochisten können also Folgendes tun:

Man kann auch unter Debian einen Internet Explorer starten!

Da es sich hier um ein richtiges Linux handelt, kann man nicht nur angepasste Software installieren wie bei CygWin, sondern sich mit dem Paketmanager seiner Distribution voll austoben. 

Terminal-Emulatoren

Neben den Konsolen ist für die Benutzerfreundlichkeit auch das Terminal wichtig. Standardmäßig nutzen alle drei Konsolen eine Single-Window-Konsole mit unterschiedlichen Bedienkonzepten. Copy/Paste geht je nach Terminal über Enter und rechte Maustaste, über <Strg>-<Shift>-C/V oder über <Ctrl>-<Ins> und <Shift>-<Ins>. Man kann aber auch ConEmu nutzen, hier werden wie bei SuperPutty mehrere Tabs und Tiling unterstützt, die UI ist aber schon etwas angegraut. Alternativ ist auch Hyper verfügbar, eine schicke Electron-Variante mit moderner UI, aber bei meinen letzten Versuchen noch mit gelegentlichen Bugs. Ich hab es mir aber gerade mal wieder installiert, Tiling ist mit ConEmu unpraktisch.

Zusammenfassung

Wer mit seiner Git Bash zufrieden ist, und nicht an Grenzen stößt, der muss nicht umsteigen. Wer nur mehrere Tabs benötigt, der sollte sich Hyper oder ConEmu anschauen. Suchst Du echtes Linux-Feeling, dann ist die WSL eine Alternative. Es gibt einige Ecken und Kanten, aber die für mich Störendsten kann man umschiffen. Dazu gibt es demnächst einen eigenen Artikel.

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